Kernbotschaften der Maritimen Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns

Kernbotschaften der Maritimen Industrie in Mecklenburg-Vorpommern


1. Maritime Industrie ist innovativ und zukunftsorientiert.

Das Meer ist ein gewaltiges wirtschaftliches Zukunftsfeld, daher haben maritime Technologien enorme Entwicklungs- und Nachfragepotenziale. Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land mit anerkannter Schiffbautradition und vielfältigem maritimem Know-how. Maritime Industrie hat viele energiesparende und umweltschützende Technologien entwickelt und eingesetzt (Green Technologies). Maritime Industrie ist ein Wirtschaftszweig mit einem hohen Qualifikations- und Lohnniveau. Maritime Industrie ist eine Zukunftsindustrie, sie bedeutet Hightech und damit eine nachhaltige Zukunftschance für MV, vor allem auch für echte Industriearbeitsplätze.
Ziel - positives Image des maritimen Industriestandortes verstärken:
Die Fakten zu maritimen Kompetenzen in MV und Argumente für einen industriepolitischen Fokus des Landes auf die Branche sind nach innen und außen wesentlich besser als zuvor zu kommunizieren.
Ein positives Image unseres Bundeslandes als „Land zum Leben“ und das zukunftsfähige Leistungspotenzial der Schiffbauindustrie in MV mit ihren Elementen Werften, Schiffbauzulieferer und maritime Industrieforschung müssen sichtbarer werden, um sowohl Unternehmen als auch Menschen nach MV zu holen.
Die nationale und internationale Präsenz der maritimen Industrie ist, z. B. durch die Beteiligung an entsprechenden Messen, durch das Landesmarketing und die Wirtschaftsförderer zu unterstützen.

2. Maritime Industrie entwickelt, fördert und bindet moderne Fachkräfte.

Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Der Wandel der Ansprüche an vorhandene Berufsbilder sowie die Gestaltung von Industrie 4.0 und die Identifizierung von Weiterbildungsbedarfen müssen durch die Branche dargestellt werden. Bei der Bewältigung des durch die Rekrutierungspläne der MV-Werften massiv vergrößerten Fachkräftebedarfs bedarf es sowohl kooperativer  Ansätze der Unternehmen untereinander als auch gemeinsamer Anstrengungen von Wirtschaft und Politik.
Ziel – gesellschaftliche Herausforderung gemeinsam meistern:
  • Schaffung und Unterstützung eines Ausbildungsverbundes der maritimen Industrie zur Sicherung des notwendigen Facharbeiternachwuchses.
  • Sicherung des akademischen Fachkräftenachwuchses durch Sicherung der benötigten Studiengänge, langfristig und unabhängig von der aktuellen Lage der Unternehmen im Lande.
  • Einrichtung eines turnusmäßig tagenden Forums zur Analyse des Fachkräftebedarfs, zur Aktualisierung der Berufsbilder und zur Identifikation von Bildungs- und Weiterbildungsinhalten unter Beteiligung von maritimer Industrie,  Berufsschulen, Hochschulen, Arbeitsamt, Arbeitnehmervertretern und Kammern. Der Ausschuss MARITIME WIRTSCHAFT der drei IHKs in MV kann hierfür eine bewährte Plattform bieten.
  • Flankierende Unterstützung der Landesregierung durch verstärkte und branchenspezifische Nutzung des  Landesprogrammes zur Rückwerbung von in MV geborenen bzw. ausgebildeten Fachkräften.

3. Maritime Industrie in MV entwickelt Hochtechnologien.

Die maritime Industrie benötigt leistungsfähige Partner in Forschung und Entwicklung. Die entsprechenden Kompetenzen in wissenschaftlichen Einrichtungen im Lande müssen erhalten und systematisch ausgebaut werden. Ziel muss es dabei sein, den maritimen Forschungsstandort MV unabhängig von aktuellen Marktzyklen zu einer international
renommierten Qualitäts-Marke, zu einem weltweit begehrten Kooperationspartner und zu einem begehrten Arbeitsplatz für die besten Köpfe der Branche zu machen. Davon profitieren auch die Unternehmen im Lande. Besonders für KMU ermöglicht die Beteiligung an Forschung und Entwicklung in starken Bündnissen den Zugang zu innovativen Technologien und Informationen aus der gesamten Branche und bietet diesen damit bessere Chancen am Markt. Die Maritime Industrie ist in der Regionalen Innovationsstrategie dem Zukunftsfeld „Nachhaltige Produktionstechniken und neue Werkstoffe, insbesondere im Maschinenbau“ zugeordnet. Dazu gehören auch Zukunftsthemen wie Unterwasser-Meerestechnik oder auch über Wasser Marineschiffbau.
Ziel - Forschung und Entwicklung ausbauen und künftigen Entwicklungen anpassen:
Die maritimen Kompetenzen an den Forschungseinrichtungen und Hochschulen in MV sind mit langfristiger Perspektive und unabhängig von aktuellen Schwankungen des Marktes zur internationalen Qualitäts-Marke auszubauen. Sie sollten dabei sowohl die langfristigen Trends im Auge behalten, als auch die Flexibilität zur schnellen
Anpassung an die kurz- und mittelfristigen Anforderungen der maritimen Industrie bewahren. Die Vernetzung der  Akteure in Wissenschaft und Wirtschaft bedarf der weiteren Unterstützung durch das Land.
Der maritimen Industrie muss im Zukunftsfeld „Nachhaltige Produktionstechniken und neue Werkstoffe, insbesondere im Maschinenbau“ noch größere Bedeutung eingeräumt werden.
Das Duale Studium ist ein bewährtes Instrument zur Fachkräftegewinnung und -bindung, es muss durch Wirtschaft, Hochschulen und Landespolitik weiter gestärkt werden.
In der Hochschulausbildung sollte künftig noch mehr Wert auf allgemeine Methodenund Problemlösungskompetenz als auf fein verästelte Spezialisierung gelegt werden.
Das Volumen des Bundesprogrammes zur Innovationsförderung in der maritimen Industrie muss in dem vom Bundestag ursprünglich vorgesehenen Umfang erhalten bleiben.

4. Maritime Industrie startet in die digitale Zukunft.

Eine wettbewerbsfähige moderne Industrie wird künftig nur mit Digitalisierung der Produktions- und Arbeitsprozesse sowie der Liefer- und Kundenbeziehungen möglich sein. Voraussetzung ist die notwendige digitale Infrastruktur, aber auch die Unterstützung insbesondere von KMU bei der Ausgestaltung der Digitalisierungsprozesse.
Ziel - Wirtschaft 4.0 muss zum Standard werden:
  • Erarbeitung einer industriellen Digitalisierungsstrategie des Landes unter Einbindung von Vertretern der maritimen Industrie. Dazu gehört zwingend ein Breitbandanschluss mit einer Kapazität von mehr als 1 GBit (Glasfaser) für jedes Unternehmen in MV. Auch ein attraktives Breitbandnetz für die Private Nutzung wird von jungen Fachkräften heute erwartet.
  • Schaffung eines permanenten Informations- und Austauschforums für Industrie 4.0 (Digitalisierung) im Lande. In diesem Forum sollten unter anderem „best practices“ und relevante Benchmarks vorgestellt und diskutiert werden, auch um eventuell notwendige Unterstützungsmaßnahmen durch die Landesbehörden zu identifizieren.
  • Stärkung der interdisziplinären Forschung im Zusammenhang mit industriellen Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT).

5. Maritime Industrie in MV hat die Offshore-Kompetenz für die deutsche Energiewende.

Im Bereich Offshore-Wind hat sich in MV durch getätigte Investitionen und Pionierleistungen der vergangenen Jahre wertvolles Know-how gebildet. Etliche Unternehmen im Land haben insofern teilweise eine gute Offshore-Qualifikation sowie viele praktischen Erfahrungen, die auf einem wachsenden, internationaler werdenden Offshore-Markt zählen (nicht nur bei Windkraft).
Ziel – Offshore Pionierleistungen in dauerhafte Wertschöpfung umwandeln:
Die Landesregierung sollte sich für vorteilhafte Rahmen- und Integrationsbedingungen für Offshore Windparks einsetzen, die ein Eckpfeiler der künftigen europäischen Stromversorgung sein werden. Die noch junge und kapitalintensive Branche braucht politische Flankierung (z.B. den Einsatz für offene Märkte und gegen Protektionismus) für ihr Engagement auf dem Weltmarkt.

Kernbotschaften der Maritimen Logistikwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Die Ostseehäfen in Mecklenburg-Vorpommern sind wichtige Drehscheiben in internationalen Transportketten nach Skandinavien, Russland und ins Baltikum. Ihre Leistungsfähigkeit ist für die gesamte deutsche und zentraleuropäische Wirtschaft von hoher Bedeutung.

1. Maritime Logistikwirtschaft in MV braucht punktuell bessere Infrastruktur.

Die Transeuropäischen Verkehrskorridore fördern die Ko-Modalität zwischen den Verkehrsträgern und schaffen die Voraussetzungen zur Entwicklung „Grüner Korridore“. Verkehrskorridore durch Mecklenburg-Vorpommern bieten mit freien Kapazitäten eine leistungsfähige und volkswirtschaftlich sinnvolle Alternative zur Entlastung staugefährdeter Bereiche im Hinterland der großen Nordseehäfen, insbesondere des Großraums Hamburg. Um sich im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu behaupten ist es zwingend erforderlich, die see- und landseitigen Zugangsvoraussetzungen zu den bedeutenden Seehäfen des Landes zu verbessern. Insbesondere der Ausbau des Seekanals Rostock sichert Potenziale im Massengutumschlag und der hiervon abhängigen Massengutlogistik. Die notwendige öffentliche Infrastruktur vorzuhalten, ist eine elementare Aufgabe der öffentlichen Hand. Mit den seit einigen Jahren verstärkt angewandten Notifizierungserfordernissen sind erhebliche Belastungen und Verzögerungen in der Umsetzung wichtiger Hafenbauprojekte zum Nachteil der Wirtschaft insgesamt einhergegangen. Planungsverfahren werden einerseits durch
Personalengpässe und andererseits auch durch langwierige Beteiligungsverfahren zum kaum kalkulierbaren Risiko für die Hafenentwickler. Die von der Europäischen Kommission angestrebte Einbeziehung von Häfen in die Allgemeine
Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO)
kann eine wesentliche Erleichterung bedeuten.
Ziele:
  • Transeuropäische Verkehrskorridore Skandinavien-Mittelmeer-Korridor (Helsinki -Hamburg/Rostock - Valetta) und Korridor Orient-östliches Mittelmeer (Rostock/Hamburg/Bremerhaven - Athen) über MV ausbauen und als staufreie Nord-Süd-Verbindung bewerben.
  • Die geplante Feste Fehmarnbeltquerung ist durch einen Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark vereinbart und die Projekte der Hinterlandanbindung wurden Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans 2030. Die feste Querung sollte den fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern nicht verzerren. Künftige, geförderte Infrastrukturmaßnahmen sollten die vorhandene und leistungsfähige Infrastruktur nicht entwerten.
  • Die Anpassung der seewärtigen Zufahrten zum Seehafen Rostock auf 16,50 m und zum Seehafen Wismar auf 11,50 m zeitnah umsetzen. Erforderlich sind zudem regelmäßige Unterhaltsbaggerungen in den Häfen Mecklenburg-Vorpommerns und deren Zufahrten, um Solltiefen für die Schifffahrt durchgängig zu erhalten.
  • Landseitige Anbindung der Häfen verbessern durch Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Rostock – Berlin (Seehafen – Eisenhüttenstadt) und Stralsund - Berlin auf 160 km/h für den Personenverkehr bzw. 25 t / 22,5 t Achslast für den Güterverkehr und weiterführend Ausbau Richtung Dresden und Prag sowie Fertigstellung der Bundesautobahn A14 Wismar – Magdeburg.
  • Bei der Definition der neuen Beihilferegelungen für Hafeninfrastrukturinvestitionen (AGVO) ist darauf zu achten, dass die allgemeine Infrastruktur und die Zugangsinfrastruktur grundsätzlich nicht als Beihilfe gewertet werden und somit die öffentliche Hand auch zukünftig die Freiheit hat, in die Verkehrsanbindung der Häfen und die Hafeninfrastruktur zu investieren. Dabei ist die Definition der allgemeinen Infrastruktur so zu fassen, dass die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten für Kaimauern, Kaistraßen sowie Flächen und andere Infrastrukturen in den Nord- und Ostseehäfen Deutschlands angemessen berücksichtigt werden.
  • Es sollte geprüft werden, ob sich durch eine Beweislastumkehr bei der Anmeldung/Untersuchung eventuell im Planungsgebiet ansässiger schützenswerter Fauna eine nachhaltige Verfahrensvereinfachung und -beschleunigung erreichen ließe.

2. Hafenplanung ist eine Langfristaufgabe, die Weitsicht und Durchhaltevermögen erfordert.

Die Häfen stärken ihre Rolle als wichtige Industrie- und Gewerbestandorte mit einer Konzentration auf große  Industrieansiedlungen. Für diesen Bedarf müssen ebenso wie für die Ausweitung des Kaiumschlages geeignete Erweiterungsflächen entwickelt werden.
Ziel:
Landesplanung (Raumordnung), Kommunen (Flächennutzungsplanung) und Fördermittelgeber (Realisierung von Infrastrukturmaßnahmen) unterstützen die Häfen bei der Flächenentwicklung. Um Verzögerungen bei den Planungsprozessen zu minimieren, soll bereits die Entwicklung der Erweiterungsflächen von einem transparenten Dialog mit Umweltverbänden und Betroffenen begleitet werden.

3. Maritime Logistikwirtschaft in MV setzt auf Digitalisierung.

Für unternehmerische Anwendungen in der Logistik und hafenaffinen Industrieansiedlungen sind bereits heute Breitband-Datenverbindungen erforderlich, die nur mit Glasfaseranschlüssen zukunftssicher realisiert werden können. Mit fortschreitender Digitalisierung der maritimen Arbeitswelt verändern sich die Anforderungsprofile für die Beschäftigten. Die Fortschreibung des digitalen Förderprogramms für Innovative Hafentechnologien (IHATEC) bis 2020 durch die Bundesregierung wird begrüßt, um die Nutzung von IT in den Häfen und den Logistikketten zu unterstützen, die digitale Infrastruktur zu verbessern und IT-Sicherheit zu erhöhen.
Ziele:
  • Die Hafenstandorte und Logistikzentren sollten vorrangig mitGlaserfaseranschlüssen versorgt werden.
  • Die Qualifizierungsanforderungen müssen eruiert werden, um eine zielgerichtete Qualifizierung und Entwicklung der Fachkräfte zu ermöglichen.

4. Maritime Logistikwirtschaft in MV verbessert den Klima- und Umweltschutz.

Die Schifffahrt leistet ihren Beitrag zur Erreichung der Ziele im Klima- und Umweltschutz. Mit der Umsetzung der strengen Schwefelregulierung in den SECA-Gebieten ab 1.1.2015 gehört die Ostsee zu den Vorreitern. Auch bei  steigenden Umweltanforderungen sind planbare Rahmenbedingungen unerlässlich und Wettbewerbsverzerrungen müssen vermieden werden.
Ziele:
  • Mehr Einsatz für weltweit geltende Umweltstandards im Rahmen der IMO. In diesem Zusammenhang ist eine weltweite Geltung von SECA- und NECA-Grenzwerten anzustreben.
  • Das Land Mecklenburg-Vorpommern soll weiterhin aktiv als Partner oder zur Unterstützung von Partnern in Projekten mitwirken, die eine Weiterentwicklung von alternativen Antrieben und umweltfreundlichen Kraftstoffen in der Schifffahrt und den in Häfen erforderlichen Infrastrukturen zum Ziel haben.