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INTERNATIONAL

Hanse Sail Business Forum 2006

Hanse Sail Business Forum 2006 zum Thema "Messen im Ostseeraum - Bestand und Visionen"

am 10. August 2006 in der Rotunde der HanseMesse

Mehr als 200 Unternehmer, Politiker und Vertreter von Wirtschaftsverbänden kamen zum diesjährigen Hanse Sail Business Forum. Der Rostocker Initiativkreis der Wirtschaft hatte unter der Überschrift "Messen im Ostseeraum - Bestand und Visionen" in die Rotunde der HanseMesse eingeladen.

Eingangs stimmte Rolf Paarmann, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Rostock (IHK), die Teilnehmer auf die Ziele des Forums ein mit den Worten "Wir wollen Ihnen die Messestandorte im Ostseeraum näher bringen, wollen Lust auf Messen machen und Wege und Möglichkeiten der Teilnahme an Messen im Ostseeraum aufzeigen." Auf die Entwicklung des Landesmessezentrums in Rostock eingehend appellierte Paarmann an die Teilnehmer "Lassen Sie uns eine Visionen entwickeln für die Etablierung einer Messe im Ostseeraum hier am Standort Rostock, die vor allem den innovativen Mittelstand der Ostseeanrainerstaaten anspricht."

Der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, Roland Methling, zeigte sich in seinem Grußwort erfreut über die schon traditionelle Verknüpfung der Hanse Sail mit Treffen von Wirtschaftsvertretern. Die Idee einer rotierenden Messe im Ostseeraum werde auch von der Stadt Rostock unterstützt.

Sebastian Schröder, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, brach in seiner Begrüßungsansprache eine Lanze für regionale Messen. Auch regionale Veranstaltungen hätten für die heimische Wirtschaft eine große Bedeutung. Eine starke überregionale Akzeptanz des Landesmessezentrums setze zunächst einmal eine solide regionale Basis voraus. Auf dieser aufbauend könnten überregionale, neue Themenbereiche für wirtschaftlich tragfähige Messeveranstaltungen entwickelt werden. Schröder versprach, dass das Wirtschaftsministerium erfolgversprechende Konzepte zur Weiterentwicklung des Messestandortes aktiv mitbegleiten wird. "Für Luftschlösser haben wir allerdings kein Geld."

Kurt Bodewig, Vorsitzender des Baltic Sea Forums e.V., beleuchtete in seinem Vortrag die aktuelle Lage in der Ostseeregion. Innerhalb Europas sei die Ostsee in ihrer Dynamik und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung einzigartig. Hier leben circa 90 Millionen Menschen, die auf unterschiedlichen Märkten rund um das Europäische Binnenmeer agieren und etwa 9% des Weltbruttosozialprodukts erwirtschaften.

Bodewig: "Der Handel auf der Ostsee stellt heute die integrierende Kraft für das Zusammenwachsen der Anrainerstaaten dar und ist der Motor für das wirtschaftliche Wachstum der gesamten Region. Handel, Wachstum und gelebte Integration, das sind die Merkmale, welche den Motor am Laufen halten. Wichtig ist dabei das Zusammenwirken der etablierten Volkswirtschaften Skandinaviens und Deutschlands mit den Polen und den "baltischen Tigern" Estland, Lettland und Litauen. Hier entsteht eine Konstellation, welche diese Staaten im Hinblick auf Innovation von Produkten und Dienstleistungen immer wieder gegenseitig befruchtet."
Als eine der zentralen Herausforderungen für die Ostseeregion nannte Bodewig die Einbindung Russlands. Wichtig sei aber, so auch das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen, dass die wirtschaftliche Integration vor allem des Nordwestens Russlands dazu führen sollte, diesen Teil nicht mehr als Partner sondern als Teil der Region zu sehen.

Bodewig machte deutlich, dass es die Ostseeregion in all ihrer wirtschaftlichen und politischen Verschiedenheit geschafft hat, die Zusammenhänge, die Abhängigkeiten und die gemeinsamen Chancen zu erkennen und entsprechend zu handeln. Er zeigte sich optimistisch, dass die Ostseeregion die vor ihr stehenden ökonomischen und politischen Herausforderungen der kommenden Zeit meistern werde.

Dr. Peter Neven, Geschäftsführer des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA), gab einen Überblick über die Messelandschaft in Deutschland. An die Adresse der Rostocker Messegesellschaft und Messeveranstalter im Land gerichtet, appellierte er in seinem Vortrag gleichfalls für regionale Messen. Internationale Messen brauchten entsprechende Kapazitäten.

Messebeteiligungen böten eine hervorragende Möglichkeit der Auftragsakquisition im In- und Ausland. Und sie sind Chefsache. Das war die Botschaft, die Uwe Stieblich, Inhaber der Firma Stahlbau Stieblich, den Zuhörern überbrachte. Seine 1990 gegründete Firma erwirtschafte inzwischen 50% ihres Umsatzes im Ausland.

Im Vortrag von Roberts Stafeckis, Leiter des Büros Lettland der Deutsch-Baltischen Handelskammer, wurden die Messeplätze im Baltikum vorgestellt. Mit Hallenflächen zwischen 15.000 und 17.200 m² sind die Messeplätze in Tallinn, Vilnius und Riga etwas größer als die HanseMesse Rostock. Dort werden durchschnittliche 21 Messen pro Jahr durchgeführt, davon auch einige mit internationaler Beteiligung wie z.B. die AgroBalt und Baltexpo in Vilnius.

Mit der Internationalen Messe Szczecin (MTS) wurde ein weiterer Messeplatz im Ostseeraum vorgestellt. In ihrer Präsentation stellte Magdalena Blaszczyk in eindrucksvoller Weise die Leistungsfähigkeit der MTS vor, die die professionelle Organisation von wirtschaftlichen, kulturellen, sportlichen und sonstigen Veranstaltungen in eigenen Hallen umfasst.

"Virtuelle Messen - Lösen sie die klassischen Messen ab?" waren die Vorträge überschrieben, die von Dr.-Ing. Uwe von Lukas, Geschäftsstellenleiter Zentrum für Graphische Datenverarbeitung Rostock, und Holger Diener vom Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung, Institutsteil Rostock, gehalten wurden. Obwohl es virtuelle Messen schon seit einiger Zeit gebe, würden diese kaum angenommen, stellte Lukas eingangs fest. Als Hauptgrund dafür nannte er, dass eine Vertrauensbildung über das Internet nicht möglich sei. Diener ging in seinem Vortrag auf die Vor- und Nachteile virtueller im Vergleich zu klassischen Messen ein. Virtuelle Messen ersetzen keine persönlichen Kontakte, aber sie ermöglichen direkten Kontakt zu Fachleuten und sind immer erreichbar. Sie ersetzen kein Anfassen, gestatten aber das Ausprobieren der Produkte, sind wiederverwendbar und sparen Reisekosten. "Nein" lautete demzufolge die Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Aber virtuelle Messen können klassische Messen sinnvoll ergänzen und bereichern. Bei der anschließenden Präsentation konnten sich die Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Möglichkeiten der 3D-Präsentation von Messe- und Ausstellungsobjekten und von der Leistungsfähigkeit der beiden Rostocker Einrichtungen machen.

Das notwendige Know-how für einen erfolgreichen Auftritt auf klassischen Messen wurde in dem Workshop "Messebeteiligung - Erfolgsfaktor für Unternehmen" vermittelt, der am Nachmittag stattfand. Barbara Harbecke, Messetrainerin mit 20-jähriger Berufserfahrung im Messegeschäft, fesselte die Zuhörer mit ihrem praxisbezogenen und lebhaften Vortrag. Sehr anschaulich vermittelte sie Wissen, Tipps und Kniffe zur operativen Messeplanung, unternehmensinternen Messevorbereitung, Besucherwerbung für Messen, Präsentation am Stand und zur Messenachbereitung. Besonders dankbar wurden vom Publikum die Hinweise zum persönlichen Auftreten am Stand und zur Gesprächsführung sowie der kleine Knigge für das Standpersonal aufgenommen.

Mit einer abendlichen Bootsfahrt vom Stadthafen in den Seehafen und nach Warnemünde, vorbei an den zahllosen Segelschiffen, fand das Hanse Sail Business Forum seinen stimmungsvollen Abschluss.

Nebenstehend finden Sie die Redebeiträge und Präsentationen (es gilt das gesprochene Wort).